Der Wertstromanalysemythos

Posted By on 29/04/2015

,,Früher war alles besser.“ Fragt man seine Großeltern nach der Vergangenheit ist es häufig eine Aussage dieser Art die man zu hören kriegt. Wie im Rausch beginnen manche welterfahrenen Rentner von der ,,guten alten Zeit“ zu sprechen. Meistens ohne das Dulden von Unterbrechungen und ohne das Hinzufügen einer klaren Linie. Zeitsprünge und Bezugnahmen auf die ,,Jugend von heute“ sind ebenfalls inbegriffen. Und auch wenn man es sich ohne erweitertes historisches Wissen kaum vorstellen kann, neigt man unweigerlich dazu in den aufkommenden Schmähgesang mit einzustimmen.

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Aber dürfen wir das überhaupt? Können wir als die kritisierte Komponente der großelterlichen Argumentation überhaupt nachvollziehen, was genau damals besser war? Ich sage ,,Ja“. Denn das die wirtschaftlichen Strukturen zur damaligen Zeit noch wesentlich leichter zu durchschauen waren als heute, sollte jedem ein Begriff sein. Wer zum Schneider ging, bekam einen maßgeschneiderten Anzug. Keine Einheitsmode von der Stange. Womit wir das heutige Thema direkt aufgegriffen haben.

In Zeiten von Primark-Billigkleidung nämlich ist das Wort Individualität zu einem Fremdwort verkommen. Man geht mit dem ,,Mainstream„. Opfert seine einzigartige Persönlichkeit für das Geschenk der Anpassung. Dies spielt dem Prinzip der Wertstromanalyse in die Karten. Die Kleidungsbranche, aber auch die Hersteller von Mobiltelefonen koordinieren ihre Produktion nach genau diesem Prinzip. Das Ziel: Die Ausmerzung von Verschwendung und die effizientere Produktion der Ware. Allen Lobeshymnen zum Trotz: Es gibt ein Teilgebiet, das von diesen Vorteilen nicht profitieren kann. Ein Teilbereich der selten geworden ist, nach dem sich aber immer mehr Menschen tagtäglich sehnen. Ganz Recht, es handelt sich um den Sektor der Kreativität. Immer gleiche Produkte lassen sich in ein und derselben Weise beliebig reproduzieren. Einzelstücke hingegen, sei es nun das selbst bedruckte T-Shirt oder eine individuell zusammengestellte Softwareanwendung, können nicht mit standardisierten Arbeitsschritten gefertigt werden. Sicherlich gibt es auch hier Standards und feststehende Arbeitsprozesse, am Ende steht dennoch eine andere Produktionskette. Wer also in Betracht zieht Wertstromanalysen vorzunehmen, sollte ein Expertenteam hinzuschalten, um die korrekte Anpassung an den eigenen Betrieb vornehmen zu können. Guter Rat ist hierbei meist sogar kostenlos, wirklich gute Software aber unweigerlich mit Kosten verbunden.